DAH: Betrug mit HIV-Medikamenten darf nicht die medizinische Versorgung von Menschen mit HIV gefährden!

25. Februar 2011 | Von editor | Kategorie: Aktuelles, Geschäftliches

Nach Ausstrahlung des NDR-Berichtes über den “Millionenbetrug” mit HIV-Medikamenten verurteilt auch die Deutsche AIDS-Hilfe die illegalen  Geschäfte aufs Schärfste. “Wenn tatsächlich Medikamente aus dem südlichen Afrika auf den deutschen  Markt gelangt sind, zeugt das von hoher krimineller Energie der  Täter. Es muss nun darum gehen, den Schaden für die Versorgung von  Menschen mit HIV so gering wie möglich zu halten!”  so Winfried Holz vom DAH-Vorstand.
Die Medikamente wurden Menschen mit HIV, die sie dringend benötigen, vorenthalten. Daraus ist möglicherweise eine Gefahr für  ihre Gesundheit und ihr Leben erwachsen. Menschen mit HIV in  Deutschland, die neu verpackte, rückimportierte Medikamente  eingenommen haben könnten, werden durch den Betrug verunsichert.
Hinzu kommt: Pharmaunternehmen haben die Möglichkeit illegaler  Re-Importe in den letzten Jahren immer wieder als Argument gegen die  verbilligte Abgabe ihrer Präparate für ärmere Länder genutzt. Es  besteht nun die Gefahr, dass die Vorbehalte wieder wachsen. Die  Versorgung von HIV-Positiven mit Medikamenten könnte dadurch noch  schlechter werden.
DAH-Vorstand Winfried Holz weiter: “Aus dem Skandal lässt sich etwas lernen: Wenn Pharmafirmen ihre Präparate für die Produktion von Generika freigeben, sind illegale Reimporte dieser Medikamente nicht  möglich. Das gleiche gilt, wenn die Firmen in ärmeren Ländern ihr  Produkt selbst unter anderem Namen und mit anderem Design auf den  Markt bringen. Von diesen Möglichkeiten sollten Pharmafirmen noch  stärker Gebrauch machen! Außerdem: Es ist kein Zufall, dass die  Medikamente in Deutschland auf den Markt gebracht wurden. Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Medikamentenpreisen weltweit.  Die völlig überzogenen Preise bedeuten für die Betrüger besonders  hohe Gewinne. Die Deutsche AIDS-Hilfe fordert eine Senkung der Preise für HIV-Medikamente in Deutschland. Das würde auch den Betrug mit  Rückimporten unattraktiver machen.”     Das Ziel muss weiterhin sein, dass alle Menschen mit HIV weltweit, die Medikamente benötigen, sie auch bekommen. Bislang erhält nur etwa ein Drittel der Therapiebedürftigen weltweit eine entsprechende  Medikation. (Im Jahr 2009 waren es nach Angaben von UNAIDS 5,25  Millionen Menschen, wobei 14,6 Millionen eine Therapie benötigt  hätten.)
Eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen mit HIV in  Deutschland besteht durch den vorliegenden Betrug nach Einschätzung  der Deutschen AIDS-Hilfe wahrscheinlich nicht. So lange tatsächlich  Originalpräparate in den Verkauf gekommen sind, dürften sie  unvermindert wirksam sein. (Eine Ausnahme könnte theoretisch das  Medikament Norvir®/Ritonavir bilden, sollte die Kühlkette  unterbrochen worden sein.)
Wer befürchtet, entsprechende Medikamente erhalten zu haben,  sollte seinen Apotheker auf diesen Verdacht ansprechen.

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