Der Stand der Dinge

11. Juli 2010 | Von andr | Kategorie: Bücher

Simon lebt nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim und die wichtigsten Ereignisse sind die Besuche seines 17 Jahre jüngeren Freundes Annar. Sie sind seit 40 Jahren ein Paar und haben zusammen einen Laden betrieben, den Annar nun alleine führen muss. In verschiedenen Rückblenden auf Wanderungen in der norwegischen Natur oder das Weihnachtsfest, an dem er plötzlich erkrankte, schaut er überwiegend positiv auf wichtige Ereignisse seines Lebens zurück. Er lässt aber auch die aufkommende Eifersucht nicht aus, die angesichts seiner körperlichen und geistigen Einschränkungen besonders schwer zu ertragen ist. Auch früher gab es derartige Situationen, etwa als zwei Lesben ein Kind von Annar wollten und er in dieser Konstellation keinerlei Rolle spielen sollte. Die Zeitsprünge von der ersten Liebe bis zur detaillierten Schilderung von körperlichen Gebrechen und Pflegeabläufen machen ein ganzes schwules Leben erfahrbar, mit Zärtlichkeit, dem Gefühl der Vernachlässigung, Liebe und Streit. Aus der Perspektive eines Pflegebedürftigen, dessen Kräfte nachlassen geschrieben, ermöglicht das Buch auch eine Annäherung an schwules Altern. Der schwule Pfleger Sven steht ihm einfühlsam zur Seite. Und auch die Diskussion über schwule Lebensstile, die Rolle von Kinder und die „Nachahmung“ heterosexueller Ideale kommt nicht zu kurz.

Trotz aller Probleme erscheint Simons Leben und auch seine jetzige Situation durchaus idyllisch, wozu auch die Schilderungen eines liberalen und wunderschönen Landes immer wieder beitragen. Außerdem scheint eine große Gelassenheit durch, das Leben so zu nehmen, wie es kommt. Der Beginn der Beziehung zwischen Simon und Annar ist übrigens durchaus bizarr.

Ansgar Drücker

Der Stand der Dinge
Von Odd Klippenvåg
Männerschwarm Verlag (18,00 Euro)

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