Berkley ermittelt gegen Duesberg

7. Mai 2010 | Von ufa | Kategorie: Aktuelles, Allgemeines

Peter Duesberg (Q: Wikipedia Commons)

Gegen den AIDS-Leugner Peter Duesberg, der an der Berkley-Universität als Wissenschaftler arbeitet, wird wegen Fehlverhalten ermittelt. Er hatte im Juli 2009 einen als unseriös bewerteten Artikel bei der Zeitschrift Medical Hypothesis  veröffentlicht, der bereits Anfang 2009 bei der Fachzeitschrift Journal for Acquired Immune Deficiency Syndromes (JAIDS) eingereicht und im Juni 2009 abgelehnt worden war.
Die Begründung eines Gutachters zur Ablehnung: Es gäbe einen offensichtlichen Interessenkonflikt zwischen Forschung und Wirtschaft, es seien nur Studienergebnisse mit  “passenden” Ergebnissen herangezogen worden, viele Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen. “Dieses Verhalten ist so ungeheuerlich, dass bei Veröffentlichung des Artikels Duesberg und die betreffenden Kollegen angezeigt werden könnten wegen Fehlverhaltens im Amt”, so der Gutachter. Duesberg ignorierte diese Warnung und reichte den strittigen Artikel im Juli 2009 bei Medical Hypothesis ein, wo er bereits zwei Tage nach Eingang publiziert wurde.

Medical Hypothesis ist die einzige medizinische Fachzeitschrift, die ohne vorherige Prüfung durch Gutachter Artikel veröffentlicht, und wird in Fachkreisen zwiespältig aufgenommen. Auf der einen Seite ist sie die einzige Plattform für unkonventionelle Ideen und Ansätze, auf der anderen Seite bietet sie Tür und Tor für Scharlatanerie. Wenn der Chefredakteur den Beitrag also genehmigt, wird er veröffentlicht.
So geschah es eben auch mit Duesbergs Beitrag, der zahlreiche Proteste an den Herausgeber Elsevier nach sich zog, so dass Elsevier schließlich den Artikels von fünf unabhängigen Gutachtern prüfen ließ. Alle fünf lehnten die Veröffentllichung ab, der Artikel wurde permanent zurückgezogen. Dem Chefredakteur wurde zwar nicht gekündigt, er wude aber vor die Wahl gestellt: Entweder er lässt in Zukunft alle eingereichten Ertikel von Gutachtern prüfen (eine einschneidende Änderung für dieses Magazin, die er nicht unterstützen will) oder er muss gehen.

Duesberg war in den Siebzigern ein renommierter Krebswissenschaftler, der sich seit den Achtzigerjahren mit der AIDS-Forschung beschäftigt und seitdem behauptet, HIV sei nicht der Verursacher von AIDS, sondern Umweltgifte und antiretrovirale Medikamente. Seine Ansichten und Arbeiten haben viele Gegner, werden aber auch unterstützt, zum Beispiel vom früheren südafrikanischen Präsidenten Mbeki. Dieser holte im Jahr 2000  Duesberg und weitere Forscher, die ebenfalls leugnen, dass HIV die Ursache von AIDS ist, in seinen AIDS-Ausschuss. Zu dieser Zeit waren 25 % der Bevölkerung in Südafrika HIV-positiv getestet,  der von Mbeki zusammengestellte AIDS-Beirat verhinderte eine breite Vergabe von antiretroviralen Medikamenten, Präventions- und Behandlungsprogramme wie sie in den Nachbarländern praktiziert wurden Mbeki verlor politisch an Boden, blieb aber bei seiner Ablehung der Medikamente, bis er 2007 gerichtlich dazu gewzungen wurde, die weltweit anerkannten und verwendeten Methoden und Medikamente zuzulassen. Seine Gesundheitsministerin Tshabalala-Msimang riet der Bevölkerung noch nach dem Urteil dazu,  Knoblauch und Kräuter statt Medikamenten zu vertrauen.
Mittlerweil wurden zwei Studien publiziert, die mit demografischen Methoden zu dem Ergebnis kommen, dass aufgrund der Unterversorgung mit  entsprechenden Medikamente in Südafrika in den Jahren 2000 – 2007 über 330.000 Menschen sterben mussten. Eine dieser Studien wurde im Dezember 2008 für die Harvard-Universität in Boston vom Forscher Max Essex in JAIDS veröffentlicht.   Duesberg versuchte,  die Universität Harvard zur Rücknahme der Studienpublikation zu zwingen;  er  behauptete, Essex besäße Anteile an einem Unternehmen, dass AIDS-Tests herstelle.  Diese Behauptungen erwiesen sich als falsch; Harvard zog die Studie nicht zurück,  Duesberg versuchte daraufhin, Essex`Ergebnisse mit seinem eigenen Artikel Anfang 2009 zu widerlegen.
Einer seiner Co-Autoren ist David Rasnick, der einige Jahre zuvor bei Matthias Rath angestellt war, der Vitaminpräparate gegen AIDS propagiert und verkauft. Hier liegt also der beanstandete Interessenkonflikt. Ein Gutachter bemerkte, Duesberg und seine Co-Autoren verunglimpften wirksame Medikamente und unterstützen Vitaminpräparate, ohne klar auf einen möglichen Interessenkonflikt hinzuweisen, was  eindeutig einen Bruch mit professioneller Ethik darstelle. Rasnick  wies inzwischen daraufhin, dass er angeblich seit 2006 keinen Kontakt zu Mathhias Rath habe. Dennoch steht der Vorwurf des Fehlverhaltens im Raum und wird nun vom Arbeitgeber Duesbergs untersucht.

Duesberg und seine Co-Autoren sollen aber nun auch völlig unwissenschftlich vorgegangen sein: Sie hätten sich quasi die wenigen Rosinen aus dem Topf gepickt, die weitaus größere Anzahl von “unpassenden” Ergebnissen und Zahlen ignoriert , so ein Gutachter. Noch schlimmer: sie hätten Zitate aus dem Zusammenhang gerissen und zu Aussagen zusammengebaut, die den Ergebnissen der zitierten Studien sogar widersprechen.
Duesberg wie auch sein Abeitgeber Berkley wollten sich zu dem Verfahren nicht äußern. Duesberg droht eine Strafe, die von einer schriftichen Rüge bis zur Aberkennung der Fakultätsposition möglich ist.

WITHDRAWN: HIV-AIDS hypothesis out of touch with South African AIDS – A new perspective.

Estimating the lost benefits of antiretroviral drug use in South Africa.

AIDS and the Scientific Governance of Medicine in Post-Apartheid South Africa

AIDS Denialist Ignored Scientific Misconduct Warnings

AIDS Scientist Investigated for Misconduct After Complaint

AIDS Denialism, Medical Hypotheses, and The University of California’s Investigation of Peter Duesberg

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3 Kommentare auf "Berkley ermittelt gegen Duesberg"

  1. Thomas sagt:

    Es wird immer vage und höchst emotional, gar eindringlich-hypnotisierend auf “overwhelming evidence” verwiesen, dafür dass HIV AIDS verursacht.
    Aber trotz inzwischen 4-jähriger Suche, endlosen Kontaktaufnahmen mit Experten und Ärzten, habe ich nie eine (oder mehrere) Studien finden können, die nach wissenschaftlichen Standards durchgeführt worden sind, und die das belegen.

    Wenn man jemanden bittet, konkret zu werden, wird beispielsweise empfohlen, 500.000 “eindeutige” Publikationen zu studieren. Aber wenn man damit anfängt, findet man den Beweis trotzdem nicht.

    Im Gegenteil findet man allerhand Hinweise in den Studien, dass HIV nicht die Ursache sein kann.

    Traurig, dass die “Wissenschaft” es nötig hat, so unwissenschaftlich, dogmatisch und propagandistisch vorzugehen.

  2. Stefanie M. sagt:

    Gegen Professor Duesberg wird nun nicht mehr ermittelt.

    Das Ergebnis der Ermittlungen:
    Seine Meinung und sein Verhalten widersprechen nicht den Statuten der UC Berkeley.

    Siehe im Sciencemag:
    http://news.sciencemag.org/scienceinsider/2010/06/berkeley-drops-probe-of-duesberg.html

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