Ärzte ohne Grenzen: Patente auf HIV/Aids-Medikamente in den Patentpool!

30. November 2009 | Von editor | Kategorie: Aktuelles, Allgemeines

aktion-patente-in-den-pool1Einen Tag vor dem Welt-Aids-Tag hat Ärzte ohne Grenzen mit einer Aktion auf dem Münchner Odeonsplatz die  Pharmafirmen aufgefordert, ihre Patente auf HIV/Aids-Medikamente in  einen Patenpool zu geben. Mitarbeiter der Organisation haben eine  überdimensionale Pille über einen roten Teppich getragen und in einen Pool geworfen – symbolisch für die Patente der HIV/Aids-Medikamente,  die die Pharmafirmen in den Patentpool geben sollen. In einem solchen Patentpool stellen Patentinhaber ihre Patentrechte anderen  Herstellern für ärmere Länder zur Verfügung. Für Millionen  HIV/Aids-Patienten wären die Auswirkungen eines Patentpools enorm.
“Mithilfe dieser Patente können lebensnotwendige Medikamente  entwickelt und zu erschwinglichen Preisen als Generika produziert  werden”, sagte Oliver Moldenhauer, Koordinator der  Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland.
Nach aktuellen Angaben des HIV/Aids-Programms der Vereinten  Nationen (UNAIDS) leben heute 33,4 Millionen Menschen mit dem  Aidserreger HIV. Die Zahl der Todesfälle ist dank zunehmender  Behandlung von HIV etwas zurückgegangen. Dieser Erfolg ist jedoch  gefährdet. “Bei vielen unserer Patienten haben sich Resistenzen  gebildet. Sie müssen nun zu neueren wirksameren Medikamenten  wechseln. Im Moment sind diese aber für sie entweder nicht verfügbar  oder nicht bezahlbar”, erklärte Moldenhauer.
Ärzte ohne Grenzen unterstützt daher die Idee des Patentpools und  wirbt seit einigen Wochen dafür mit der E-Mail-Kampagne “Geben Sie  Ihre Patente in den Pool!”, denn am 14./15. Dezember wird  entschieden, ob der Patentpool von der internationalen Organisation  UNITAID eingerichtet wird. UNITAID ist eine von 35 Staaten getragene  Institution, die sich für einen besseren Zugang zu Medikamenten für  HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria einsetzt. “Die Pharmafirmen müssen  jetzt erkennen, dass es an ihnen liegt, die Patentblockade  aufzuheben, damit Millionen HIV/Aids-Infizierte den bezahlbaren  Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten erhalten”, sagte  Moldenhauer. Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit mehr als 140.000  HIV/Aids-Patienten in rund 30 Ländern weltweit.
Gleichzeitig betonte die Organisation, wie wichtig die  Finanzierung der Bekämpfung von HIV/Aids ist. “Hier ist die neue  Bundesregierung gefragt. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der  Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel müssen jetzt zeigen, wie ernst  sie die Zusagen der G8-Gipfel nehmen”, so Moldenhauer. Der deutsche  Beitrag zur Finanzierung der Gesundheit in den ärmeren Ländern muss  massiv erhöht werden, um die Zusagen der G8-Gipfel von 2007 und 2008  zu erfüllen.
Die Aktionen im Rahmen der Patentpool-Kampagne zeigen Wirkung.  Zahlreiche Pharmafirmen haben mit UNITAID Gespräche über eine  Teilnahme am Patentpool aufgenommen. Inzwischen haben sich rund  15.000 Menschen mit mehr als 140.000 E-Mails an der Kampagne  beteiligt. Interessierte können auf  www.aerzte-ohne-grenzen.de/emailkampagne die Pharmafirmen auffordern, die Patente auf die wichtigsten HIV/Aids- Medikamente in den Pool zu  geben.

Foto: Florian Sokoll

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2 Kommentare auf "Ärzte ohne Grenzen: Patente auf HIV/Aids-Medikamente in den Patentpool!"

  1. fatma sagt:

    finde ich toll man
    muß die leute endlich wachrütteln
    habe auch mitgeholfen mit der stra0enbahn

  2. Christian sagt:

    Unglaublich, dass bedürftigen Menschen, die zu arm sind, der Zugang wegen Patenten verwehrt wird.. Geld regiert offensichtlich die Welt.

    Man kann sich selbst beteiligen, um ein Heilmittel gegen AIDS zu finden, indem man die ungenutzte Rechenleistung des eigenen PCs dem amerikanischen Scripps Research Institute spendet:
    http://setigermany.de/rechne_FightAIDS@Home
    Das Institute nutzt die Rechenpower tausender privater PCs, um virtuelle Versuche durchzuführen. Viel versprechende Funde werden dann im Labor getestet. Die Ergebnisse werden in der Public Domain, also gemein-frei veröffentlicht.

    Grüße
    Christian

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