Zwischen allen Stühlen – wie es sich gehört
15. April 2009 | Von editor | Kategorie: Ausstellungen/Lesungen
Golo Mann 27.3.1909 – 7.4.1994
Hommage zum 100. Geburtstag im Schwulen Museum Berlin
Golo Mann galt bislang als nichtpraktizierender Homosexueller. Mehr wollten ihm seine Biographen nicht zugestehen. Dabei konnte man doch in den Tagebüchern Thomas Manns lesen, welche Freunde Golo nach Hause brachte. Manchmal fand auch Thomas Mann sie ausgesprochen anziehend. Golo Mann war immer sehr diskret, nur in Briefen an seinen Freund Manuel Gasser wurde er deutlicher und gestand Sehnsüchte und Affären ein. Die Ausstellung im Schwulen Museum verfolgt diese Spuren. In einer Rauminszenierung wird Golo Manns Jugend und das familiäre Umfeld dargestellt. Im Mittelpunkt steht das schwierige Verhältnis zum Vater, das sein Leben nachdrücklich prägte. Auch das Verhältnis zu den Geschwistern war nicht immer einfach. Klaus und Erika waren die bewunderten Älteren, die sich dem Jüngeren aber nur dann widmeten, wenn sie gerade Lust hatten. Vater und Mutter bescheinigte Golo Mann, keinerlei Ahnung von Pädagogik gehabt zu haben. Seine Erziehung fand dann im Internat Salem statt. Aber auch dort, inmitten all der körperlichen Ertüchtigung, saß er mit seinen musischen Vorlieben zwischen allen Stühlen. Dieser Zustand hielt zeitlebens an. Immer fühlte er sich fremd, nicht zugehörig.
Wolfgang This vom Schwulen Museum empfiehlt die zeitgleich erscheinende Biographie Golo Manns von Tilmann Lahme (Fischer Verlag).
Ausstellung vom 27. März – 29. Juni 2009
Schwules Museum, Mehringdamm 61, 10961 Berlin
www.schwulesmuseum.de