Pfizer wegen Zahlungen an Ärzte unter Beschuss

15. April 2009 | Von editor | Kategorie: Politik + Gesellschaft

US-Politik fühlt weltgrößtem Pharmakonzern auf den Zahn
Der weltweit größte Pharmakonzern Pfizer , weitreichend bekannt durch sein Produkt gegen Erektionsstörungen beim Mann, Viagra, ist wegen angeblicher Zahlungen an Mediziner und Forscher sowie Universitäten und Forschungseinrichtungen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Zwar hatte Pfizer bereits im Februar angekündigt, ab 2010 alle Zahlungen und Honorare an Ärzte im Internet zu veröffentlichen. Der US-Senator Charles Grassley hat den Pharmariesen nunmehr jedoch aufgefordert, Details über die finanziellen Beziehungen zu zumindest 149 Fakultätsmitgliedern der Harvard Medical School sofort bekannt zu geben, berichtet die New York Times. Darüber hinaus solle Pfizer den gesamten Schriftverkehr sowie Fotos von Harvard-Studenten, die gegen den Einfluss der Pharma-Industrie auf die Mediziner protestieren, offenlegen. Ein Pfizer-Repräsentant habe die Medizinstudenten bei einer Demonstration gegen die Einflussnahme der Industrie fotografiert.
Pfizer hat die Existenz der Fotografien bereits bestätigt und sein Bedauern ausgedrückt, sollte sich dadurch jemand angegriffen fühlen. Einem Unternehmenssprecher nach wird der Konzern mit Grassley in allen Belangen kooperieren. Gleichzeitig weist Pfizer darauf hin, dass das Unternehmen rechtlich und ethisch korrekt gehandelt habe und die Zusammenarbeit mit Universitäten und medizinischen Forschungseinrichtungen eine nützliche Quelle für Innovationen und wissenschaftlichen Fortschritt bildet. Eigenen Angaben zufolge arbeitete Pfizer allein im vergangenen Jahr bei klinischen Studien weltweit mit beinahe 8.000 Ärzten zusammen. Über Zahlungen und selbst nichtmonetäre Zuwendungen wie Mahlzeiten will der Konzern künftig exakte Angaben veröffentlichen, um mehr Vertrauen in seine Arbeitsweise und Produkte zu schaffen.
Pfizer kam in den vergangenen Jahren in die Kritik, als US-Senator Grassley Untersuchungen über Zahlungen an drei Harvard-Psychiater anstrengte, die antipsychotische Medikamente für Kinder bewarben. Sie werden beschuldigt, im Zeitraum zwischen 2000 und 2007 Bezüge in Höhe von zumindest 4,2 Mio. Dollar nicht angemessen angegeben zu haben. Während die Untersuchungen in dem Fall noch andauern, wurde einem der Psychiater die Leitung klinischer Studien entzogen.
Die Einflussnahme der Pharmaindu-strie auf Ärzte und Universitäten stellt für die Branche schon lange ein Imageproblem dar. Verschiedene internationale Konzerne wie Eli Lilly, MSD oder Glaxo Smith Kline haben daher bereits angekündigt, Honorare für Ärzte zumindest bei Redner- und Beratertätigkeiten offen bekannt zu machen. In Deutschland haben sich die Branchenvertreter der Freiwilligen Selbstkontrolle der Arzneimittelindu-strie (FSA) verpflichtet. Zu Zahlungen an Mediziner werden dadurch jedoch keine Angaben gemacht. (pte)

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