Paritätischer appelliert an Union in Streit um Heroin-Abgabe
15. April 2009 | Von editor | Kategorie: Politik + GesellschaftAls unverantwortlich bezeichnet der Paritätische die ablehnende Haltung der Union im Streit um die kontrollierte Vergabe von synthetischem Heroin (Diamorphin) an schwerstkranke Drogenabhängige. Der Verband fordert die Zulassung als verschreibungspflichtiges Medikament und den Ausbau psychosozialer Betreuung. “Die Einführung erfolgreicher Therapieformen als Regelleistung fürSchwerstabhängige darf nicht länger verschleppt werden”, sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Verbandes. “Hier werden ideologische Streitigkeiten auf Kosten Schwerstkranker ausgetragen.”
Es sei erwiesen, dass die kontrollierte Heroinvergabe mit einer psychosozialen Betreuung in aller Regel eine echte Hilfe sei. “Wir brauchen keine weiteren Modellprojekte, wie sie die Union fordert, sondern müssen die vorliegenden Erkenntnisse endlich in die Praxis umsetzen”, fordert Schneider.
Die Zahl der Drogentoten ist auch 2008 gestiegen: 1449 Menschen seien im vergangenen Jahr aufgrund des Konsums von illegalen Drogen gestorben, teilte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), Anfang März mit. 2007 hatte die Zahl noch bei 1394, 2006 bei 1296 gelegen. Als Konsequenz forderte sie den weiteren Ausbau von Angeboten zur “Überlebenshilfe”: Dazu gehörten die Einrichtung von Drogenkonsumräumen, die Substitutionsbehandlung mit Methadon und Diamorphin, die Verkürzung von Wartezeiten auf Therapien, eine stärkere psychiatrische, psychotherapeutische und psychosoziale Orientierung der Hilfsangebote sowie Therapieangebote für Häftlinge. Zudem forderte Bätzing, die in Berlin praktizierte Mitgabe von Naloxon an Heroinabhängige bundesweit auszudehnen. Naloxon kann bei einer Überdosis den Atemstillstand verhindern helfen. (ots/äz)