Das Community Board zieht seine Mitarbeit vom SÖDAK 2009 zurück
17. April 2009 | Von ufa | Kategorie: Allgemeines
“Das Community Board des SÖDAK 2009 (CB) hat unter Rücksprache mit seinen Stakeholdern beschlossen, seine Aufgaben und Arbeiten mit sofortiger Wirkung niederzulegen.
Es ist bei allem Engagement und intensiver Arbeit im Rahmen der mit viel Goodwill gestützten Neuausrichtung des Kongresses nicht gelungen, zentralen Anliegen der Community hinreichende Berücksichtigung zu verschaffen.
Das Ende März 2009 erstellte Kongressprogramm bietet zwar aktuelle Forschungsergebnisse, aber die Relevanz für das Leben mit HIV und AIDS hat beim Auswahlprozess kaum eine Rolle gespielt und entsprechende Beiträge fehlen weitgehend. Fachgebiete, wie etwa Zahnheilkunde, Neurologie und Psychatrie wurden in der Programmplanung vernachlässigt.
Das CB tritt geschlossen zurück und ist überzeugt, dass das Genfer Prinzip, das seit 1998 den vormaligen DÖAK erfolgreich gestützt hat, für die Folgeanlässe eine strukturell nachhaltige Wiedereinbindung der Community mit sich bringt. ”
Michèle Meyer (Schweiz), Wiltrut Stefanek (Österreich), Bernd Vielhaber (Deutschland)
Informationen zum Genfer Prinzip: www.icaso.org/aids2008community/history.html#geneva
Informationen zum Community Board: www.hivcommunity.net
Was bisher geschah:
Das Community Board wies bereits Mitte Februar in einer Rundmail daraufhin, dass es für den SÖDAK in St. Gallen kein Scholarship-Programm werden gebe. Schon die erste organisatorische Hürde, nämlich die Buchung von ausreichend Hotelzimmern in der näheren Umgebung hatte sich als quasi unüberwindbar erwiesen, da zeitgleich ein Open Air- Rockfestival stattfindet und die Stadt komplett ausgebucht ist. “Darüber hinaus hat niemand (!) einen blassen Schimmer, wie der Programmteil Sozialwissenschaft, Prävention, Leben mit HIV aussehen könnte – wir wissen also nicht, was inhaltlich auf dem Kongress passiert”, so Bernd Vielhaber. Das CB habe – gemeinsam mit den AIDS-Hilfen der drei Länder – vergeblich dafür gekämpft, eben diese Themenbereiche stärker in die Gestaltung des Kongressprogrammes durch eingeladene Vorträge und Diskussionsveranstaltungen miteinzubauen.
Der SÖDAK selbst hatte allerdings noch bis Ende 2008 etliche rechtliche Hürden zu nehmen, die eine langfristige Planung per se unmöglich machten. Außerdem hatten CB und SÖDAK gemeinsam eine andere Tagungsstruktur beschlossen, nach der z. B. die Zahl der Parallelveranstaltungen von bisher sechs bis sieben auf nun zwei zu reduzieren, die Zeiten für Vorträge und die sich daran anschließende Diskussion zu reduzieren. Um die Präsenz der Pharmaindustrie zumindest teilweise zu reduzieren, musste das Budget entsprechend verkleinert werden, denn die Regierungen / Gesundheitssysteme der drei an diesem Kongress beteiligten Länder stellen für die Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten bei weitem nicht die notwendigen Mittel zur Verfügung, um Kongresse ohne die Unterstützung der pharmazeutischen Industrie durchführen zu können.
Wer also weniger Pharmaeinfluss will, muss kleiner planen, sodass der SÖDAK aus wissenschaftlicher Sicht wahrscheinlich eine gewisse Relevanz haben wird, darüberhinaus allerdings nur wenig bewegen wird.
Dass ausgerechnet die Community so heftig an das Konferenzmotto erinnert wird, ist bitter. (ufa)