Papa sine condom?

3. März 2009 | Von ufa | Kategorie: Allgemeines, Politik + Gesellschaft

INERELA+ und GNP+: Kondome bleiben unverzichtbarer Bestandteil der HIV-Prävention

Kondome sind ein integraler und wichtiger Teil bei der HIV-Prävention, und das Werben für den Gebrauch von Kondomen muss weiter vorangetrieben werden, betonen das Global Network of People Living with HIV/AIDS (GNP+) und das International Network of Religious Leaders Living with or personally Affected by HIV and AIDS (INERELA+).
Beide Organisationen bedauern in einer Presseerklärung vom 20. März 2009 “zutiefst” die Äußerungen des Papstes, der Tage zuvor auf einer Pressekonferenz während seines Fluges nach Kamerun verkündigt hatte, ‘dass die AIDS-Tragödie nicht allein mit Geld und der Verteilung von Kondomen überwunden werden könne, zumal der Gebrauch von Kondomen das Problem nur verstärken würde’.
Diese Aussage des Papstes hatte weltweit empörte Reaktionen hervorgerufen.
Zwar akzeptierten beide Organisationen die Botschaft des Papstes, dass Enthaltsamkeit und Treue effektive Maßnahmen seien, sich vor einer Infektion zu schützen, sie seien aber nur wirksam im Zusammenhang einer Aufklärung über *alle* wirksamen Präventionsmöglichkeiten. Der Gebrauch von Kondomen sei eben ein sehr wichtiger Bestandteil der Aufklärungsstrategie, so die Organisationen.
“Es ist traurig, dass wir immer noch darüber diskutieren müssen, ob der Gebrauch von Kondomen überhaupt sinnvoll ist”, so Kevin Moody von GNP+.

Deutsche AIDS-Hilfe: Papst lädt Schuld auf sich / Papst-Äußerungen gegen Kondomgebrauch sind unverantwortlich und weltfremd

Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (DAH) kritisiert die im Vorfeld der ersten Afrika-Reise von Papst Benedikt XVI. gemachten Äußerungen gegen den Kondomgebrauch zum Schutz vor einer HIV-Infektion auf das Schärfste. Angesichts des millionenfachen Leids durch HIV und Aids auf dem afrikanischen Kontinent ist die kategorische Ablehnung des Kondoms durch den Vatikan zynisch und menschenverachtend.
Die DAH teilt die Kritik vieler Selbsthilfe- und UN-Organisationen wie UNAids: Altersgerechte Information, Aufklärung und der Zugang zu Kondomen und antiretroviralen Medikamenten sind der Schlüssel zur Eindämmung der Aids-Epidemie.
Die Deutsche AIDS-Hilfe fordert Papst Benedikt XVI auf, seine kompromisslose Haltung gegen das Kondom aufzugeben und die HIV-Prävention nicht länger zu behindern.
Dazu erklärt Tino Henn, Bundesvorstand der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.: “Die Äußerungen von Papst Benedikt, Kondome würden das Aids-Problem in Afrika nicht lösen, sind unverantwortlich. Mit solchen Worten kann keine Botschaft der Hoffnung und Versöhnung nach Afrika gebracht werden, wie es der Vatikan beabsichtigt. Kondome sind unverzichtbarer Teil der weltweiten Aufklärungs- und Präventionskampagnen. Die Botschaft “Kondome schützen vor einer HIV-Infektion” ist so einfach wie wirksam. Der Vatikan darf die Prävention nicht länger massiv behindern. Er versündigt sich – um die Sprache der Katholischen Kirche zu benutzen – dadurch nicht nur an den Gläubigen, sondern an der gesamten Menschheit.”

The Lancet: Papst verdreht öffentlich die Beweislage

In einem Leitartikel fordert das Wissenschaftsmagazin The Lancet, dass Papst Benedikt XVI. seine jüngsten, während der Afrikareise geäußerten Bemerkungen bezüglich der AIDS-Epidemie zurücknehmen sollte. Der Papst meinte, das Problem “kann nicht durch die Verteilung von Kondomen überwunden werden: im Gegenteil, diese verschlimmern es.”
Der Leitartikel verurteilt diese Bemerkungen und konstatiert: “Mit der Behauptung, Kondome würden die HIV/AIDS-Problematik verschärfen, hat der Papst öffentlich die wissenschaftliche Beweislage verdreht, um die katholische Doktrin in dieser Fragestellung voranzutreiben.”
Die Folgerungen des Artikels lauten daher: “Es ist nicht klar, ob der Fehler des Papstes auf Unwissenheit beruhte oder ein kalkulierter Versuch der Wissenschaftsmanipulatuion war, um katholische Ideologie zu verbreiten. Der Kommentar steht jedoch weiterhin im Raum, und die Versuche des Vatikans, die Äußerungen des Papstes zu interpretieren und dabei weiter an der Wahrheit herumzudoktern, sind kaum der richtige Weg. Wenn irgendeine einflussreiche Person, sei es eine religiöse oder politische Führungskraft, eine falsche wissenschaftliche Verlautbarung äußert, die verheerende Folgen für die Gesundheit von Millionen von Menschen haben kann, dann sollten diese Personen ihre öffentlichen Bemerkungen zurücknehmen oder korrigieren. Alles Geringere seitens des Papstes Benedikt würde der Öffentlichkeit und den Gesundheitsbefürwortern einen Bärendienst erweisen, darunter vielen Tausenden Katholiken, die unermüdlich daran arbeiten, die weltweite Ausbreitung von HIV/AIDS zu verhindern.”
(Quelle: Editorial. Redemption for the Pope?. Lancet 2009; 373: 1054, http://www.thelancet.com )

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