Wenn Mutti wüsste
30. Januar 2009 | Von andr | Kategorie: Filme, Kunst + KulturDVD „Wenn Mutti wüsste…“
(Edition Salzgeber)
Sieben Kurzfilme, die sich um die Beziehung des Schwulen an sich zur wichtigsten Frau in seinem Leben drehen, versammelt die Edition-Salzgeber-DVD „Wenn Mutti wüsste…“. Allerdings fallen die Mütter sehr unterschiedlich aus: Von der ängstlich-hysterischen und doch nicht ganz so emanzipierten und aufgeklärten schwedischen Vorortmutter in „Mamas kleiner Ole“ über die kämpferische indischstämmige Mutter, die ihren Sohn durch ihren Mut noch mehr in die Verzweiflung reißt, bis zur wortgewandten Spanierin reicht die mütterliche Vielfalt der schwulen Kurzfilme. Das schöne an Kurzfilmen ist, dass die Überraschungen schneller und unerwarteter kommen, ja manchmal sogar die ganze Geschichte, wie man sie bisher gesehen hat, zerstören. Dennoch wirken sie nicht gehetzt oder gestaucht, sondern lassen sich Zeit für den Aufbau der Story.
Multikulti in Kanada bietet „Peking Turkey“, die Geschichte einer chinesischstämmigen Familie. Auf Englisch hält der französischsprachige Pierre um die Hand des Sohnes des Hauses an, und zwar am Weihnachtsabend bei Truthahn, zubereitet nach Art der Peking-Ente, und gedrückter Stimmung.
Ob ein schwuler Fußballtrainer, den ein 15-Jähriger anhimmelt, kriminell ist oder die beiden eine Liebesbeziehung haben, lässt „Herzhaft“ offen, die Bilder legen aber Verständnis für die Beziehung der beiden nahe.
„Die Folge“ ist ein spanisches Meisterstück in Anti-Diskriminierung und ein unterhaltsamer Lehrfilm (der er gar nicht sein will) mit einer großartigen Pointe.
Genauso überraschend endet „Hitchcocked“, nicht ohne vorher den Umweg über eine nicht unerotische Vergewaltigungsszene zu nehmen.
„Trevor“, ein Diana-Ross-Fan der 80er Jahre, himmelt den Star des Basketball-Teams an und gesteht ihm mit all seinem Mut die Liebe … zum Theater, was diesen ziemlich kalt lässt. Als Folge seiner Zuneigung muss er bei einem Milchshake (!) den heterosexuellen Aufklärungsunterricht eines Paters im Auto (!) über sich ergehen lassen. Und er lernt, dass man sich mit Aspirin nicht umbringen kann.
Nicht immer stehen die Mütter im Vordergrund der Filme, aber immer sind sie für eine Überraschung und für viel Situationskomik gut…
Ansgar Drücker