The Graffiti Artist
26. August 2008 | Von andr | Kategorie: Filme
In der Graffiti- und Skater-Szene im Nordwesten der USA spielt dieser Film über die Freundschaft zwischen den jungen Sprayern Nick und Jesse. Nick lebt allein, hat wenig Sozialkontakte, aber großes Talent in seiner Kunstrichtung. Er begegnet Jesse und es entwickelt sich eine Freundschaft und künstlerische Zusammenarbeit, die mit wenig Worten auskommt und doch schnell sehr selbstverständlich und vertraut wird. Mehr als einmal kommt die Polizei ins Spiel, die Spraydosen werden meist geklaut und weitere Rechtsfolgen nur angedeutet. Die Schlafstätte ist oft ein unwirtliches Industriegelände – das Leben der jungen Künstler wird nicht geschönt und die eigenwilligen Mahlzeiten, die sie einnehmen, werden in ihrer Einfachheit liebevoll ausführlich geschildert.
Die Frage, ob Graffiti eher Kunst oder Sachbeschädigung ist, stellt der Film erst gar nicht, so selbstverständlich begibt er sich in das Milieu hinein und macht den Stolz über jedes Tag in der Öffentlichkeit durch eine Einmalkamera sichtbar, mit der die eigenen Kunstwerke verewigt werden.
Nick ist Jesse nach Seattle gefolgt, Jesse kauft ihm ein Skateboard und irgendwann zieht Nick bei ihm ein. Auch wenn bisher nur wenig Erotik in der Luft lag, landen die beiden irgendwann im Bett – eine innige, zärtliche und zurückhaltende Szene. Doch danach ist Jesse wie ausgewechselt und geht Nick geradezu aus dem Wege.
Erst nach 20 Minuten fällt das erste artikulierte Wort im Film, nach über 30 Minuten kommt ein Hauch Erotik ins Spiel: Der Film spiegelt die introvertierte Lebensweise des Graffiti Artist und seiner nicht unfreiwilligen Isolation hautnah wider. Bis auf ein paar frühe Frühlingsboten in Form blühender japanischer Kirschen ist auch das Wetter und die Atmosphäre der Industriebrachen in Seattle und Portland eher trist – eigentlich nicht einmal das ideale Klima für Kapuzenpullis, die gleichzeitig als Schlafsäcke dienen müssen.
Ansgar Drücker
The Graffiti Artist
USA 2004, 80 Minuten, Farbe, OmU, FSK 16
Salzgeber, D168
